Kunst trifft Beteiligung

Im Rahmen der 48 Stunden Neukölln feierte am 3. Juli der Raum für Beteiligung in der Jonasstraße 26 seine Eröffnung

Foto: Birgit Leiß

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„Wir sind hier sozusagen bei einer Sneak Preview“, scherzte Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel an diesem Freitagabend. Denn die offizielle Eröffnung des großen Neuköllner Kunst- und Kulturfestivals fand erst zwei Stunden später statt. Die Anlauf- und Beratungsstelle für Bürgerbeteiligung in der Jonasstraße gibt es bereits seit 2021, zunächst unter dem Namen Mitmach-Laden in Trägerschaft der Bürgerstiftung Neukölln. Seit Anfang 2026 gibt es einen neuen Träger: die AG.URBAN. Höchste Zeit also für eine feierliche Einweihung. Zu diesem Anlass war neben dem Bürgermeister auch der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr Jochen Biedermann gekommen. Er freue sich sehr über diese niedrigschwellige Möglichkeit der Beteiligung, erklärte Hikel. Dass die Bürger:innen sich informieren und einbringen können, gehöre ganz fundamental zum Wesen des demokratischen Systems. 

Der kurze Draht zur Verwaltung

Aber was genau passiert in dem Laden? „Zu uns können Menschen mit allen Fragen zu bezirklichen Vorhaben kommen“, erklärt Emma Gollhardt, die zusammen mit Wiebke Clausen das Vor-Ort-Team bildet. Alle Menschen, die hier wohnen und arbeiten, sollen bei Spielplatzumgestaltungen, der Einrichtung von Spielstraßen und anderen Planungen mit einbezogen werden. Das sehen die Leitlinien für Beteiligung in Neukölln vor. Und welche Themen brennen den Bürger:innen unter den Nägeln? Derzeit vor allem Verkehrsthemen, etwa das Verkehrskonzept für den Körnerkiez und der grassierende Pollerklau, berichtet Emma Gollhardt. „Wir unterstützen die Bürger:innen auch dabei, sich selber zu organisieren“, betont sie. Das Team kennt Akteure und Zuständigkeiten im Bezirk und verspricht: ‚Wir sorgen dafür, dass du Rückmeldung auf deine Fragen erhältst.‘  „Außerdem beraten wir den Bezirk und führen auch selber Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung durch,“ erklärt Emma Gollhardt.

Werde Teil eines Kunstwerks

In den Räumlichkeiten in der Jonasstraße wurde an diesem Wochenende die  Ausstellung „Lebenslinien – ein kollektives Tagebuch“ gezeigt. Die Künstlerin Felicitas Butt, die auch selber anwesend war, hat in ihrem Kunstwerk intime Erfahrungen im Zusammenhang mit ihrer Familiengeschichte verarbeitet. Die Besucher:innen waren eingeladen, in einer kleinen Kabine prägende Momente ihres Lebens als Linie zu zeichnen – und so Teil eines wachsenden, kollektiven Tagebuchs zu werden.

Seelenstriptease bei der Genossenschaft, Catwalk auf dem Boddinplatz

Überall in Neukölln war an diesem Wochenende Kunst zu erleben, und zwar nicht nur in Galerien und Ateliers, sondern an alltäglichen Orten wie beispielsweise einem Späti, einem Motorrad-Geschäft oder dem Einkaufszentrum Neukölln Arcaden, wo unter anderem eine Ausstellung zu sehen war. An der Kindl-Treppe (Neckar-/Ecke Isarstraße) setzte sich eine Klanginstallation mit dem diesjährigen Festivalmotto OUT/SIDE/IN und dem Verhältnis von Innen und Außen auseinander. Im Mitgliedertreff der Wohnungsgenossenschaft Neukölln in der Reuterstraße 90 (Ecke Sasarsteig) ging es in 15-minütigen, vorbereiteten Monologen um das Thema Zuhause. Eine junge Frau sprach in sehr berührender Art und Weise über ihr neues Leben als Mutter und ihr Gefühl von Heimatlosigkeit. „Mein altes Berlin-Leben mit Partys ist vorbei. Ein neues Zuhause habe ich noch nicht gefunden.“ Das Thema auch hier: Grenzen, sichtbare und unsichtbare und Identität als Prozess. Bei einer mutigen Performance mitten auf dem Boddinplatz wurde dieses Kreisen um Identität sehr anschaulich dargestellt. Die Künstlerin Lola Camomilla präsentierte sich zunächst selbstbewusst und lebensfroh als Dragqueen auf einem Laufsteg, entledigte sich dann ihres gesamten Fummels, um schließlich unsicher und verschüchtert in einem Schrank zu verschwinden.

Die Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln wird seit 1999 vom Kulturnetzwerk Neukölln e.V. organisiert. In diesem Jahr beteiligten sich rund 1400 Kunstschaffende an 600 Events.

 

Raum für Beteiligung Neukölln

Jonasstraße 26, 12053 Berlin

Sprechzeiten:  Dienstag 12-17 Uhr, Donnerstag 14-20 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung

 

Telefon 030-609822546

nk@raum-fuer-beteiligung.de

www.berlin.de/ba-neukoelln/raum-fuer-beteiligung